Unfall Analyse

Wie ihr es sicherlich schon auf meiner Instagram Seite verfolgt habe, hatte ich leider einen Unfall, in dem ich mir eine Fraktur im Sprunggelenk zugezogen habe. Für mich und mein Hobby ist das natürlich wirklich ein „Genickbruch“ zumal ich noch einige Touren führen sollte. Naja, wie gewonnen so zerronnen. 

In unserem Hobby und auch bei dem ein oder anderen dem Beruf erleben wir immer wieder dinge in den man sich wirklich überlegt, wieso man nicht Informatiker geworden wär. Nicht um das jetzt abzuwerten aber ich finde einen der sichersten Jobs, man ist klimatisiert im Büro, hat seine Kollegen um sich und ist relativ abgeschottet in den Rechenzentren. 

Kommen wir jetzt zu meinem Vorfall, eigentlich gibt es zwei. Erst einmal ein kleiner Einblick in den ersten Beinaheunfall, der mir passiert ist. 

Ich hatte zwischen zwei Hochtouren noch etwas Zeit und wollte dies Sinnvoll nutzen, somit dachte ich mir das ich einige Tage am Fels gewesen bin schau ich mir hier die Plastikgriffe der Halle einmal an. Gesagt getan, über mein Kanal hat sich jemand gemeldet und wir haben uns gemeinsam in der Kletterhalle getroffen. Da ich die Fähigkeiten der Kletterpartner meist nicht einschätzen kann, nutze ich gerne zum Sichern ein halbautomatisches Sicherungsgerät. Das normalerweise in jeder Halle zum Standardwerk eines Kletterers gehört. 

Ja, man kann drüber streiten, welches Sicherungsgerät in die Halle gehört und welches nicht. Ich finde jedoch in eine Halle gehören keine Tuber ! Die Mindestausstattung sollte in einer Halle ein Autotuber oder ein halbautomatisches Sicherungsgerät wie das Grigri sein, dies würden einige Unfälle vermeiden. 

Auszug aus der Statisik des Alpenvereisn :
46% der gemeldeten Unfälle beim Seilklettern endeten mit einem Bodensturz (n=30), aber auch Anprallverletzungen sollten bei der Unfallanalyse nicht vernachlässigt werden. Diese machen immerhin 27% des Unfallgeschehens beim Seilklettern aus. Die meisten Unfälle ereigneten sich beim Vorstieg (ca. 60%). Auch Unfälle beim Ablassen sind keine Seltenheit- so ereigneten sich 10 der 30 Bodenstürze beim Ablassen. Der Ablassvorgang ist eine besonders heikle Situation, da hier der Kletterer mit vollem Gewicht im Seil sitzt- die Sicherungskette wird also permanent belastet und ein Kontrollverlust des Sicherungsgerätes wirkt sich direkt aus.

Wie oben schon beschrieben, gesagt getan. Wir trafen uns in der Kletterhalle und gingen hier etwas Klettern. Die Unterhaltungen waren sehr nett und es hat anfangs sehr souverän ausgesehen, Klettern so wie Sichern mit einem Grigri + . Nach einigen Aufwärmrouten im 5b Grat begaben wir uns etwas aufwärts und ich ging hier die erste 7a+ an einer Geraden Wand, und genau hier geschah es. 

Beim Einhängen der Sicherung ganz oben rief ich „Zu“ er machte hier auch zu und ich konnte mich sicher ins Seil setzen. Ich halte, nachdem ich oben angekommen bin immer gerne die zwei Seile in der Hand und klemme diese zusammen, sodass ich noch einmal von oben kontrollieren kann, dass er das Sicherungsgerät ordnungsgemäß hält und auch das Schlappseil herausgezogen hat. (Berufskrankheit, ob das jetzt richtig oder falsch ist…wichtig ist mir das es sicher für mich ist! Immer mit wechselnden Partnern zu klettern ergibt auch hier ein kleines Risiko.. einem Kollegen wurde mal von einem Gast das Sicherungsgerät bei diesem Kommando ausgebaut und so vermeiden wir einen Selbstabsturz.) 

Er machte ordentlich zu und fing an mich abzulassen, dabei hat er den hebel vom Grigri etwas zu weit geöffnet und ich bin hier nach unten gesaust und ca 2 Meter vor dem Hallenboden zu stehen gekommen. Er hat durch das schnelle und unkontrollierte ablassen den halt unter den Füßen verloren, Panik bekommen und noch weiter das Sicherungsgerät geöffnet. Zum Glück hat das Grigri + eine „Panik“ Funktion und verriegelt dies wieder automatisch. Das hat mich vor einem Bodensturz bewahrt!

So was lerne ich wieder aus dieser Situation, immer etwas Vorsicht walten lassen und auf eine Nummer sicher gehen. Auch wenn der Sichernde besagt, dass er richtig sichern kann.

Nun zu meinem richtigen Unfall. Nachdem ich wieder zu Hause in meiner heimischen Kletterhalle angekommen bin, habe ich mich mit einem Kletter getroffen den ich hier schon kannte und auch schon einige Routen bis 7 geklettert bin. Wir gingen hier los und entdeckten die neuen Routen der Halle, nach fast 4 Wochen draußen ist es immer wieder toll mal die neuen Projekte in der Halle zu beurteilen. 

Als diese abgearbeitet waren, fing ich an eine Route der Schwierigkeit 7c zu erklettern. Diese bin ich schon einige Mal geklettert.

Vor dem Umlenker ging mir leider die Kraft aus, ich rief hier meinem Sicherungspartner zu das ich jetzt fallen werde. Ich ging dabei aus das er dynamisch sichert und hier Richtung Wand läuft und ich einen „gedämpften“ Sturz habe. Leider ist genau das Gegenteil passiert, ich fing an zu fallen und Er lief rückwärts und verstärkte das Pendel mit einem harten Sturz gegen die Wand. Da ich hier nicht ins Freie gefallen bin sondern direkt die Kante getroffen habe zog ich mir hier zwei Brüche im Sprunggelenk zu und habe all meine Bänder geteilt. 

Nun bin ich im Krankenstand und arbeite wieder auf meine Genesung hin. 

Das Interessante hierbei ist das Überwachungsvideo der Halle, in dem der Unfall genau dokumentiert wurde und hierbei auch eindeutig die Sicherungsfehler erkennbar sind. 

Wieso ich dies jetzt schreibe ?? Ich möchte hier etwas Sensibilisieren und das Thema Stürzen noch einmal aufgreifen. Es ist zwar sehr toll die höchsten Schwierigkeitsgrade zu erreichen, aber wichtig ist hierbei vor allem auch das Fallen & Sichern zu lernen und das ist meist bedeutend wichtiger. 

Wie hat mal ein sehr bekannter Kletterer zu mir gesagt :“ Zahlen sind wie Schall und Rauch, wichtig ist hierbei das Erlebnis, dass wir Klettere bei einer tollen Route erleben.“

Mir hat dies wieder gezeigt das, dass Stürzen vernachlässigt wird und Kletterer die Jahrelang schon in der Halle herumtoben immer noch einmal lernen sollten richtig zu sichern. Mal schauen vielleicht gibts ja bald ein „Sicherheits- und Sturz“ Kurs von mir.

Wobei jedes Kletterpaar das stürzen in ihren normalen Rhythmus einbeziehen kann. Meist ist das Trauen hier immer das Problem. Wie oft erlebe ich, dass auch der Kletterer nicht fallen will, sondern lieber in der Route 3-4 mal zu macht, um neue Kräfte zu sammeln und anschließend die nächste Exe anzuvisieren.

Das Video stelle ich auch hier einmal hoch.

1 Comment on “Unfall Analyse

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